Gepostet von am 07. November 2018 im Allgemein | Keine Kommentare

Der ERM Report 2018 hat aufgezeigt, dass Schweizer Unternehmen mit erheblichen Umsetzungsbarrieren im Zuge der digitalen Transformation kämpfen. Die Ursachen liegen aber nicht nur im technologischen, sondern oft auch im strategischen und kulturellen Umfeld einer Unternehmung. Aufgrund der potenziellen Tragweite und Komplexität von Barrieren empfiehlt es sich, frühzeitig erste Massnahmen einzuleiten.

Wie beurteilen Schweizer Unternehmen den Einfluss der Digitalisierung? Wie schätzen sie digitale Transformationsrisiken und mögliche Barrieren ein und wie gut vorbereitet sind sie, diese zu bewältigen? Um diese und weitere Fragen beantworten zu können, hat das Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit SwissERM eine umfassende Praxiserhebung durchgeführt. Die entsprechenden Ergebnisse im ERM Report 2018 «Risiken der digitalen Transformation in Schweizer Unternehmen» stützen sich auf Einschätzungen von 238 Führungskräften.

Im Fokus des vorliegenden Beitrags stehen Umsetzungsbarrieren, die einen digitalen Transformationsprozess verhindern oder einschränken. Kenntnisse über diese Barrieren zu haben, die gleichzeitig potenzielle Risiken darstellen, ist entscheidend, damit Unternehmen auf Schwierigkeiten und Hindernisse reagieren können. Gerade in der Vorbereitung und Planung von Transformationsprojekten sollten Massnahmen zur Reduzierung solcher Barrieren frühzeitig eingeleitet werden. Dabei muss die Vielfältigkeit möglicher Barrieren beachtet werden. Diese können bspw. kultureller Natur sein oder aufgrund von fehlendem technischen Know-how entstehen.

Andersherum ist es denkbar, dass in bestimmten Unternehmen keine oder leicht überwindbare Barrieren existieren, da das Thema der digitalen Transformation z. B. eine hierarchieübergreifend hohe Bedeutung geniesst. Gemäss der Praxiserhebung trifft dies für 28 Unternehmen bzw. 11.8 % der Stichprobe tatsächlich zu. Sechs Teilnehmende (2.5 %) sehen beim eigenen Unternehmen keinen Bedarf zur digitalen Transformation, weshalb die Frage nach Barrieren hinfällig ist. Diese Werte weisen umgekehrt auf die hohe Relevanz von Barrieren hin, weil in mehr als 85 % der Unternehmen wahrnehmbare Hindernisse vorhanden sind. Im Mittel müssen Unternehmen vier Barrieren überwinden.

In der folgenden Abbildung sind die Barrieren absteigend nach Anzahl Nennungen aufgeführt:

Barrieren der digitalen Transformation

Barrieren der digitalen Transformation (n=204, Mehrfachnennung möglich)

Anhand der Auswertung lässt sich feststellen, dass mit höher gewichteten Prioritäten/Aufgaben und der fehlenden Digitalkultur zwei Barrieren im Vordergrund stehen, deren Ursachen im strategischen und kulturellen Umfeld einer Unternehmung liegen. Diese werden von 43.6 % bzw. 40.7 % der Unternehmen genannt – etwas mehr als veraltete IT-Systeme (38.2 %). Weiter gehören ein fehlender Business Case (30.9 %) und gesetzliche/regulatorische Hindernisse (29.4 %), zu den häufig erkannten Umsetzungsbarrieren. Bei letzterem dürfte die Network und Information Security (NIS) und die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ein Einflussfaktor darstellen. Positiv zu werten ist dagegen, dass mit 18 Nennungen (8.8 %) nur vereinzelte Teilnehmende eine fehlende Motivation seitens der Mitarbeitenden ausmachen.

Mit der nächsten Abbildung werden die jeweils drei (bei gleicher Anzahl vier) meistgenannten Barrieren, differenziert nach Unternehmensgrösse, dargestellt.

Meistgenannte Barrieren nach Unternehmensgrösse (n=204, Mehrfachnennung möglich)

Meistgenannte Barrieren nach Unternehmensgrösse (n=204, Mehrfachnennung möglich)

Eine fehlende Digitalkultur gilt unabhängig der Unternehmensgrösse als eine der bedeutendsten Barrieren. Höher gewichtete Prioritäten und Aufgaben gehören vor allem für kleine, mittelgrosse und grosse Unternehmen zu den Top 3-Umsetzungshindernissen. Veraltete IT-Systeme sind hingegen für sehr grosse und grosse Unternehmen die ganz oben anzusiedelnden Barrieren. Wenig überraschend stellt die Ressourcenproblematik in Form fehlender Finanzmittel vor allem für die kleinen Unternehmen eine ernst zu nehmende Schwierigkeit dar.

Die hohe Anzahl Nennungen höher gewichteter Prioritäten/Aufgaben weist darauf hin, dass bei kleinen und mittelgrossen Unternehmen wohl zu selten eine explizite Verantwortung für Digitalisierungsinitiativen besteht und diese Tätigkeiten daher nicht erstrangig, sondern neben der gewohnten operativen Arbeit wahrgenommen werden. Ferner besteht der Eindruck, dass vor allem grössere Unternehmen Schwierigkeiten haben, ältere IT-Systeme zu ersetzen. Aufgrund der Tragweite und Komplexität solcher Systemwechsel erscheint diese Barriere durchaus nachvollziehbar.

Unternehmen können basierend auf diesen Ergebnissen ihr eigenes Umfeld kritisch reflektieren und potenzielle Barrieren identifizieren. Um negative Folgen von Beginn an zu vermeiden, empfiehlt es sich, Vorkehrungen gegen die oft genannten Barrieren einzuleiten. Eine Digitalstrategie zu formulieren, einen Digitalverantwortlichen zu ernennen und die Mitarbeitenden frühzeitig und umfassend zu involvieren und zu schulen, können wichtige Stellschrauben sein.

Die obigen Ausführungen basieren auf dem ERM Report 2018 «Risiken der digitalen Transformation in Schweizer Unternehmen». Dieser kann hier kostenlos heruntergeladen werden. Weitere Resultate mit interaktiven Filtermöglichkeiten sind auf folgender Seite verfügbar.

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